Geschichte der Depression

Der Begriff „Depression“ (lat. depressio „Niederdrücken“) ist ein moderner Begriff und existiert erst seit dem 19. Jahrhundert. Die Symptome hingegen sind schon seit Zeiten der Bibel bekannt. Denn auch Hiob litt nach diesen zahlreichen Krisen an einer Depression.

Da diese Krankheit einen vielseitigen wissenschaftlichen Forschungsweg hinter sich hat, können wir Ihnen hier nur einige Eckdaten niederschreiben. Der Begriff Depression tauchte 1976 das erste Mal in einem Lexikon im medizinischen Bereich auf, und wurde in der Zeit zuvor als „niederdrücken“ gedeutet, sodass vielseitige Bedeutungen entstanden. Es konnte als die Senkung von Flüssigkeiten benannt werden wie z.B. den niedrigen Barometerstand und anderweitige ähnliche Dinge. Das heißt, der Begriff war nicht klar definiert. Die Symptome der Depression nahmen die Menschen damals nicht als Krankheit wahr, sondern nahmen es als ein angeborenes Temperament im analogischen Bezug zur antiken Melancholie wahr.

Zum heutigen Verständnis haben uns einige Wissenschaftler und Ärzte verholfen. Ein bekannter unter ihnen ist der griechische Arzt Hippokrates von Kós. Er hat im 5. Jahrhundert v.Chr. die Typologie erstellt und hat die Melancholie untersucht, die der heutigen Depression entspricht. Er war der Meinung, dass die „schwarze Galle“ den gesamten Körper einnimmt und somit bis ins Gehirn eindringt, wodurch der Mensch sich depressiv fühlt. Auch den Begriff Manie, was das Gegenteil einer Depression ist, hat Hippokrates eingeführt und erkannt.

Erst am Ende des 17. Jahrhunderts hat der schottische Arzt William Cullen den Zusammenhang zwischen Mensch und Depression aufgeschrieben. Er hat eine Art Nervenmechanik entworfen, wodurch er erkennen konnte, was zur Melancholie führt. Die Krankheiten, die er durch dieses Experiment also durch den Nervensaft verursacht hat, hat er als Neuronen getauft. Infolgedessen hat er zwei zentrale Schlüsselbegriffe für die heutige Psychiatrie geprägt.

Anfang des 20. Jahrhunderts hat Ernst Kretschmer den Körperbau mit den psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Nach Kretschmer handelt es sich bei der Depression um ein angeborenes Temperament. Tatsächlich gehen die Forscher heute immer noch davon aus, dass die Depression angeboren ist und vererbbar ist.

Der Schweizer Psychiater Adolf Meyer war weniger an den „psychobiologischen“ als an den „psychosozialen“ Ursachen der Erkrankung interessiert, daher bevorzugte er den Begriff Depression, anstatt Melancholie. Da dieser Begriff in Bezug auf die Erkrankungsursachen neutraler ist.

Die Grundlagen des heutigen Verständnisses der Depression haben wir allerdings im hohen Maße dem Psychiater Emil Kraepelin zu verdanken. Er hat am Ende des 19. Jahrhunderts den zentralen Unterschied zwischen einem organischem und einem nicht-organischem Grund der Erkrankung gelegt. Mittlerweile werden anhand eines Klassifikationssystems, das durch eine Weltorganisation bestimmt wurde, die verschiedenen Erkrankungen sowie Depressionen, Manien, Dysthymien und Zyklothymien, in die ICD-10 zusammengefasst. Infolgedessen gliedert man die Krankheiten verschiedene Krankheitsbilder, die in Symptomatik, Schweregrad, Dauer und Rückfallrisiko eingegrenzt werden.

 

Entstehung und Häufigkeit

Meist hat eine Depression nicht nur genau eine Ursache, sondern entsteht durch das Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren. Inzwischen weiß man, dass einerseits die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin eine Rolle spielen. Wenn zu wenig von ihnen im Gehirn vorhanden ist oder ihre Signale nicht richtig weitergegeben werden, entwickelt sich eine Depression.

 

Wie entsteht eine Depression?

Andererseits vermutet man eine genetische Komponente, die vererbt wird – allerdings scheint nur die Veranlagung, eine Depression möglicherweise zu entwickeln, vererbbar zu sein, nicht aber die tatsächliche Ausprägung. Dazu kommen die Faktoren, die bei jedem Menschen verschieden sind, wie soziale und psychische Einflüsse. Frauen sind durchschnittlich doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Da die Ursachen so vielfältig sind, bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass bei der Ursachenforschung im Einzelfall genau aufgeschlüsselt werden muss, welche Faktoren in der jetzigen Situation eines Betroffenen wahrscheinlich zu der Depression geführt haben – nur dann kann man unter Umständen diese Faktoren verändern und dem Betroffenen langfristig helfen.

Wie häufig sind Depressionen?

Depressionen sind inzwischen so häufig, dass man von einer Volkskrankheit spricht. Aktuelle Zahlen sprechen von circa fünf bis sechs Millionen depressiven Menschen in Deutschland. Man geht davon aus, dass über elf Prozent aller Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken. Dabei kann die depressive Phase einmalig auftreten (bei circa 25–40 Prozent), es kann mehrere Krankheitsphasen geben, zwischen denen der Betroffene wieder gesundet – aber es gibt leider auch einen chronischen Verlauf (bei 10 bis 15 Prozent).

Grundsätzlich ist die Depression eine ernst zu nehmende Krankheit, denn die traurige Grundstimmung kann zu Berufsunfähigkeit oder sogar zu Suizidgedanken führen. Damit wird die Krankheit für den Betroffenen lebensbedrohlich, denn sobald die Antriebshemmung nachlässt, die depressive Grundstimmung aber noch vorhanden ist, ist der Weg von Selbstmordgedanken zum wirklichen Versuch nicht mehr weit. 40 bis 70 Prozent aller Selbstmorde werden im Rahmen einer Depression ausgeführt und fast jeder Patient mit einer schweren Depression hat zumindest Selbstmordgedanken.

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