Wir können nur voneinander lernen…

Oder… Wer stigmatisiert hier wen?

5,3 Millionen Betroffen allein in Deutschland. Wir reden hier von Menschen die an einer Depression erkrankt sind. Das sind so viele wie Hamburg und Berlin zusammen Einwohner hat. 150000 Suizidversuche und 10000 durchgeführte Suizide. Sorry, aber da bekommt man es langsam mit der Angst zu tun.

Patienten mit psychischen Erkrankungen leiden nicht nur unter den Symptomen ihrer Krankheit selbst, sondern auch unter den negativen Vorurteilen ihrer Umwelt. So haben, wie erst kürzlich eine in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte Studie gezeigt hat, mehr als zwei Drittel aller Patienten mit Depressionen bereits Erfahrungen mit Diskriminierungen in irgendeiner Form gemacht. Mehr als ein Drittel berichtete, von anderen Menschen aufgrund ihrer Erkrankung gemieden zu werden.

Für mich stellt sich gerade die Frage, wer stigmatisiert hier wen? Sind es wie oben genannt die „anderen Menschen“, oder tragen wir als Betroffene denn nicht auch selbst dazu bei?

Zum einen sind es die „anderen“. Sie haben Vorurteile gegenüber Erkrankten. Sie sehen, dass wir das Arbeitspensum welches gefordert wird nicht mehr schaffen, so dass jemand für uns mitarbeiten muss. Sie sehen, dass wir uns zurückziehen und nicht mehr für spontane Aktivitäten zur Verfügung stehen. Sie sehen uns aus für Sie unerklärlichen Gründen weinen, obwohl das „WETTER DOCH SO SCHÖN IST“. Viele dieser „Anderen“ haben eine Meinung zu diesem Thema, aber sie haben keine Ahnung was es heißt an Depression erkrankt zu sein.

Keineswegs sind Betroffene zu faul zu arbeiten, sie versuchen sich zusammen zu reisen, klappt aber dann doch nicht. Die Spontanität die Sie mal hatten ist komplett weg. Wie auch, wenn alleine das Aufstehen eine große Hürde ist. Duschen, Essen, Telefonieren, warum sollte sich das Ganze den lohnen?
Wie fühlt sich eine Depression an?

Aussagen von Betroffenen: „Die Hölle“, „Immer am Rand der Selbstzerstörung“, „Angst“, „Verzweiflung“, „Selbstwertverlust“…

Zum anderen sind es wir „Betroffene“ auch selbst die uns selbst stigmatisieren. Wir trauen uns nicht jemanden von unserer Krankheit zu erzählen. Die Angst vor Benachteiligung hält uns ab, dass wir uns professionelle Hilfe suchen, Betroffene haben Angst eine enge Beziehung zu einem Menschen einzugehen, wir bewerben uns nicht um einen Arbeitsplatz. 71% der Betroffenen ziehen es vor, Ihren Mitmenschen nichts von Ihrer Erkrankung zu erzählen.

Wie soll dann bitte eine Entstigmatisierung funktionieren?

Wenn wir Betroffene nichts über unsere Erkrankung erzählen, wenn wir nach außen hin schauspielern, ja wie sollen denn die „Anderen“ auf uns zu gehen? Ist es dann nicht so, dass es kein Zufall ist, dass sich Vorurteile gegen Betroffene festigen? Irgendwann will die Gesellschaft auch nicht mehr zuhören.Sie zieht sich ebenfalls zurück. Man verliert Freunde/Kontakte und einen Stempel aufgedrückt, dass man sich auch nicht mehr traut zu sprechen.

Fazit: Wir können nur voneinander lernen. Wir als Betroffene müssen uns trauen aus der Deckung zu gehen. Ich weiß, es ist viel verlangt. Aber nur so, kann es zu einer Akzeptanz für unsere Erkrankung kommen. Und Ihr „Anderen“, bitte schaut hin, informiert Euch über die Krankheit, traut Euch uns anzusprechen.

Wenn wir „Beide Seiten“ aufeinander zugehen, uns zuhören, etwas Verständnis aufbringen, dann können wir uns gegenseitig unterstützen, dann können wir voneinander lernen. Dann funktioniert die Entstigmatisierung und Psychische Erkrankungen bleiben kein Tabuthema in der Gesellschaft.

Wir wissen, dass das nicht von heute auf morgen funktionieren wird. Aber lasst uns gemeinsam daran arbeiten.

Es haben beide Seiten verdient.

Liebe Grüße Alex

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