13700226_1632160410446729_8276802575276579442_nManuela (26):

Dieser Weg – Zurück ins Leben…

… wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.
So wie es Xavier Naidoo in seinem Lied „Dieser Weg“ singt, habe auch ich in meinem Leben festgestellt, dass es oft ein schwerer und langer Weg zurück ins Leben ist.

Meine Kindheit hat mich stark geprägt, sodass ein „normaler“ Weg ins Leben nicht möglich war.
Ich bin 26 Jahre jung, habe in den letzten Jahren so einige Kliniken von innen kennen gelernt und lebe nun mit vielen Diagnosen, welche in der heutigen Gesellschaft nicht gerne gesehen sind.

Offiziell begonnen hat meine „Karriere“ als psychisch Kranke als ich 18 Jahre alt war. Nach dem Tod meiner Mutter, zwei Jahre zuvor, rutschte ich nach und nach vermehrt in eine schwere Depression. Es drehte sich für mich alles nur noch darum, wie ich die Welt am „einfachsten“ verlassen konnte. Nach einiger Zeit, hatte ich endlich DIE Lösung gefunden und konnte meinen letzten Tag planen. Es war damals ein sehr erleichterndes Gefühl zu wissen, dass nun endlich alles zu Ende sein wird.

Zwei Tage vor meinem geplanten Todestag kam ich auf die geschlossene Station der Psychiatrie, worüber ich heute sehr dankbar bin.
Für mich folgten nun viele Hoch und Tiefs. Das Gefühl wieder gesund zu sein, starke Rückfälle bis zu erneut starken Suizidgedanken. So lebte ich für 4 Jahre mehr oder weniger in Kliniken und Reha Einrichtungen. Für mich selbst und natürlich auch für mein Umfeld eine starke Belastung.

In den 4 Jahren wurde nach und nach klar, mit welchen Problemen ich zu kämpfen habe. Zu meinen Diagnosen zählt die Depression, BPS, PTBS und die Essstörung.
Die Essstörung begann für mich in der Adipositas. Innerhalb kurzer Zeit habe ich 30 Kilo zugenommen. Mit viel Konsequenz gelang es mir wieder abzunehmen und kurzer Hand steuerte ich in Richtung atypische Magersucht. Die Bestätigung meiner Umwelt „du hast ja gut abgenommen“, „sieht richtig gut aus“ usw., haben mir wieder das Gefühl gegeben, etwas Wert zu sein. Somit kam ich in den Teufelskreislauf und war der Meinung, nur wertvoll sein zu können, wenn ich dünn bin.

Nach dieser Zeit habe ich es geschafft in die ambulante Therapie zu wechseln. Ich wurde vom Amt als voll erwerbsunfähig eingestuft und war also nun Frührentner. Frührentner mit 20…

In meiner ersten ambulanten Therapie, ging es hauptsächlich darum, wieder etwas Freude am Leben zu finden, einen geregelten Alltag und Stabilität zu gewinnen. Zudem musste ich erkennen, dass die Symptome die ich habe, für meine Erkrankung ganz normal sind. Der Ansatz der DBT (Dialektisch Behaviorale Therapie) hat mir geholfen mein schwarz-weiß denken, die Gefühlsregulation, Stimmungsschwankungen und weitere Symptome der Borderline Störung besser in den Griff zu bekommen.

Während der ambulanten Therapie, habe ich mich wieder meiner Leidenschaft dem Reiten zugewandt. Dies war wohl die aller größte Stütze welche ich haben konnte.

Derzeit befinde ich mich in einer Trauma-Therapie. Bis vor 2 Jahren hatte ich meine ersten 10 Lebensjahre komplett verdrängt und keine Erinnerung mehr daran. Es war ein Schutzmechanismus meines Körpers, welcher mich diese Zeit überstehen hat lassen. Auch heute kämpfe ich noch mit dissoziativen Zuständen, lerne aber nach und nach wieder die Realität wahrzunehmen und meine Ängste hinter mir zulassen.

Meine Symptome sind nicht verschwunden und auch kein Arzt konnte diese wegzaubern. Aber ich habe gelernt damit umzugehen. Die Krankheit beherrscht nicht mehr mich, sondern ich beherrsche
die Krankheit.

Mir ist bewusst, dass noch ein langer Weg und viel Arbeit vor mir liegt. Aber ich bin absolut dankbar überlebt zu haben. Ich lebe in einer Beziehung, kann nebenberuflich wieder ein wenig arbeiten und konnte meine Medikamente schon stark reduzieren. Weiterhin gehe ich meiner größten Leidenschaft dem Reitsport nach. Regelmäßig bin ich auf Turnieren und konnte erst vor kurzem, mit Erfolg, auf einer Europameisterschaft starten. Es ist nicht nur die Freude über eine Platzierung, es ist die Freude es geschafft zu haben – Diesen Weg zurück ins Leben – . Ich bin den Menschen, die mir trotz aller Schwierigkeiten zur Seite standen und immer noch stehen überaus dankbar!
Jedem, der in solch einer Situation steht, ich kann nur sagen, es lohnt sich zu kämpfen!

 

 

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