Dies ist nicht einfach zu beantworten. Hier gibt es mehrere Betrachtungsweisen. In der häufig noch rein biologistisch ausgerichteten Psychiatrie werden die Mehrzahl der psychiatrischen Erkrankungen als Stoffwechselstörungen des Gehirns angesehen. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt dann „zwangsläufig“ in der Gabe von Medikamenten.

Die sozialpsychiatrische Sichtweise bezieht die persönliche Geschichte des Betroffenen und seine Lebensumstände zusätzlich in die Behandlung mit ein, ist also vom Gesamtkonzept her deutlich ganzheitlicher angelegt. Neben der Gabe von Medikamenten werden auch andere Therapie- und Hilfeformen angeboten. Handlungsleitende Philosophie ist eine gemeindenahe psychiatrische Versorgung. Dem Betroffenen wird eine deutlich selbständigere Lebensweise zugebilligt. Trotzdem gibt es in diesem Bereich noch viel zu verbessern.

Die Juristen tun sich bei der Definition von „psychisch krank“ am leichtesten, können aber auch nicht erklären, was „psychisch krank“ eigentlich ist.

In einzelnen Gesetzen wird der Ausdruck „psychisch krank“ zwar benutzt (z.B. in den Ländergesetzen über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke, Betreuungsrecht, Krankenversicherungsgesetz), nicht aber näher erläutert und definiert.

Im Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (PsychKG) des Landes Nordrhein-Westfalen heißt es in § 1 Absatz 2: „Psychische Krankheiten im Sinne dieses Gesetzes sind behandlungsbedürftige Psychosen sowie andere behandlungsbedürftige psychische Störungen und Abhängigkeitserkrankungen von vergleichbarer Schwere.“

Speziell bei psychischen Erkrankungen ist zu betonen, dass ein Mensch, der von einer psychischen Erkrankung betroffen ist, auch stets gesunde Persönlichkeitsanteile in sich trägt. Er ist, wie jeder andere auch, durchaus in der Lage, mit seiner Erkrankung an den meisten Bereichen des Alltagslebens teilzunehmen. Hierzu ist im Einzelfall allerdings ein individuelles, maßgeschneidertes Hilfeangebot erforderlich, da bei jedem Menschen eine psychische Erkrankung anders verläuft und auch jeweils anders erlebt wird.

Kein Mensch ist demnach nur krank oder nur gesund.

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