Arbeit mit Skills & Skill-Listen

Christoph Dolge hat eine Informationen über die Arbeit mit Skills zusammengetragen, die wir hier zur Verfügung stellen möchten.

Was sind Skills und noch wichtiger: Was sind keine Skills?

Skills sind Alternativhandlungen. Sie sind die Alternative zu einer dysfunktionalen oder destruktiven Handlung – also zum Beispiel zur Selbstverletzung, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, potentiell selbstschädigendem Verhalten oder aggressiven Durchbrüchen. Das heißt also, Skills sind dazu da, uns davor zu bewahren, etwas *Dummes* zu tun. Außerdem können Skills genutzt werden, um seelische Zustände zu mildern, die man andernfalls einfach nur durch Aushalten überstehen könnte. Dazu zählen generelle Unruhe, überschießende Gefühle wie Traurigkeit, Wut oder Angst. Auch dissoziative Zustände lassen sich mit Skills abmildern oder ganz beenden. Das folgende ist meine persönliche Meinung und wird teilweise anders gesehen, aber ich halte es langfristig für gesünder, diese Einstellung anzunehmen: Alles, was euch körperlichen Schaden zufügen kann (und sei es auch nur langfristig), ist KEIN Skill. Das heißt, sich zu betrinken, auch nur leicht zu verletzen, jemanden anzuschreien oder sich zu prügeln fällt aus dieser Liste heraus. Ziel der Übung ist, einen fürsorglichen Umgang mit sich selbst (Seele und Körper) zu erreichen.

Wann setze ich Skills ein?

Sobald ich merke, dass sie notwendig werden. Ja, ich weiß, diese Antwort heißt alles und nichts, aber von außen lässt sich die Notwendigkeit zum Skillen eigentlich erst dann bemerken, wenn es fast zu spät ist. Deswegen gehört zu einem ordentlichen Skills-Training auch die Übung der Selbstwahrnehmung. Je eher man merkt, dass man in eine Schiene verfällt, die bekannte dysfunktionale Muster enthält, kann man anfangen, gegenzuwirken. Je früher desto besser und desto weniger „drastische“ Skills genügen. Üblicherweise unterscheidet man, wenn man ein wenig in der Anwendung von Skills geübt ist, zwei oder drei verschiedene Stadien der „Anspannung“, denen man auch gezielt einzelne Skills zuordnet. Je stärker und intensiver ein Skill wirkt, desto günstiger ist es, sich ihn für starke Anspannungszustände aufzuheben. Beispielhaft kann man sagen:

  • leichte Anspannung: Ich beginne zu merken, dass ich mich unwohl fühle, dysfunktionale Handlungsimpulse spüre ich noch nicht
  • mittlere Anspannung: Mir geht es schlecht, ich habe Gedanken, die sich mit dem beschäftigen, was ich durch die Anwendung von Skills vermeiden will (SVV, Drogen etc.); Alternativ: beginnende Dissoziation (ich kann mich schlecht konzentrieren, stehe neben mir)
  • hohe Anspannung: Ich fühle mich sehr schlecht und bin extrem angespannt, ich kann nicht garantieren, dass ich nicht gleich etwas *Dummes* tue; Alternativ: ausgeprägte Dissoziation (IchVerlust, Gefühl die Handlungskontrolle zu verlieren, starke Körperfremdheit)

Wenn Skills nicht mehr helfen

Dafür sollte ein gesonderter NOTFALLPLAN bestehen. Dieser umfasst Kontaktaufnahme zu Bezugspersonen, Bedarfsmedi und im schlimmsten Fall weiterführende Maßnahmen bis hin zur Selbsteinweisung in eine Klinik bzw. Kontakt zum Notarzt. Das will ich hier aber nicht abhandeln.

Welche Skills soll ich anwenden?

Das kann dir niemand sagen. Jede Person hat unterschiedliche Vorlieben und spricht auf unterschiedliche Reize verschieden an. Deswegen ist es wichtig, dass du dich ausprobierst und den Mut hast, auch Sachen zu testen, die dir erstmal „blöd“ vorkommen mögen. Manchmal ist es gerade dieses absurde Gefühl, etwas „blödes“ zu tun, das einem ein wenig Abstand zu einer schwierigen Situation verschaffen kann. Wenn du noch nie Skills angewendet hast, dann ärgere dich nicht, wenn dein erster Versuch nicht gleich den gewünschten Erfolg bringt. Schon allein die Tatsache, dass du probierst, die Situation anders als bisher zu bewältigen, ist ein großer Fortschritt. Wenn du schon einige Erfahrung gesammelt hast, kann es auch sein, dass du bemerkst, wie sich die Wirksamkeit eines Skills „abnutzt“. Irgendwann ist er verbraucht und du bist so sehr an den Reiz gewöhnt, dass er die Anspannung nicht mehr verändert. Spätestens dann wird es Zeit, wieder etwas neues auszuprobieren und den altbewährten Skill eine Weile ruhen zu lassen. Als erste Faustregel kann man sagen, dass ein Skill dann meist gut funktioniert, wenn er einen Reiz liefert, der dem dysfunktionalen Handlungsimpuls ähnelt. Wenn man also SV-Druck hat, können Skills helfen, die die Selbstverletzung ritualisiert simulieren (z.B. mit roter Farbe Linien auf die Arme malen) oder einen geringen Schmerzreiz liefern (z.B. Eiswürfel in der Hand tauen lassen oder Schnippsgummi am Handgelenk schnalzen lassen). Wenn man dissoziiert ist, helfen intensive Sinneseindrücke – ein starker Geruch, unangeneme Musik, sehr saurer oder scharfer Geschmack, kaltes Wasser. Ansonsten sollte man sich bemühen, dem vorherrschenden und als belastend empfundenen Gefühl ein Ventil zu bieten: Wut lässt sich oft mit körperlicher Tätigkeit abbauen, gegen Angst vermittelt man sich Sicherheit und Trauer lässt am ehesten nach, wenn man sie ausagiert.

Skills funktionieren bei mir nicht!

Die erste und wichtigste Voraussetzung dafür, dass Skills wirken, ist der Wille, von der dysfunktionalen Handlung wegzukommen. Erst, wenn man sich nicht selbst verletzen will, wenn man keinen Alkohol trinken will, wenn man keine selbstschädigenden One-Night-Stands mehr will, dann hat man eine Chance etwas zu ändern. Vorher sind Skills nur ein nutzloser Zeitvertreib, weil die Entscheidung, sich zu schaden, schon vorher gefallen ist. Wer sinnvoll skillt, übernimmt damit die Verantwortung für sich selbst und sein Handeln. Es ist ein Versuch, Kontrolle zurückzuerlangen über ein Verhalten, das einen selbst meist viel zu lange unter Kontrolle hatte.

Ich habe geskillt, aber mich trotzdem verletzt/ betrunken etc.

Dann hast du es immerhin versucht. Wie schon oben geschrieben, wirken Skills besonders am Anfang nicht so zuverlässig, wie man es sich wünschen mag. Auch sind sie kein Allheilmittel – in besonders schlimmen Krisen liegt es in eurer Verantwortung, zu erkennen, wann ihr alleine nicht mehr weiterkommt und den Notfallplan zu aktivieren.

 

Skill-Listen

Es gibt viele Skill-Listen im Internet. Diese alle zu sortieren, doppelte Einträge zu filtern oder gar auf ein gleiches Format zu bringen ist faktisch nicht möglich. Daher haben wir uns entschieden, hier einige Links zu verschiedenen Skill-Listen aufzuführen.